• Hannes Stickler

Die Wunden des Krieges vor unserer Haustür

Aktualisiert: 17. Juni


LASLEA/RUMÄNIEN Der Krieg in der Ukraine trifft Unschuldige, Helfer, Zivilisten ungleich hart. Im Partnerspital der Klinik Diakonissen Schladming im rumänischen Laslea werden die Verletzlichsten unter ihnen betreut. Unter ihnen ein 25-jähriger Kantor, der in Kiew durch einen Granatenbeschuss lebensgefährlich verletzt wurde.



Update 14.6.2022 Heute hat Macarew schon 54 kg und er zeigt auch schon Mimik. Guter Erfolg in 100 Tagen. 38 vor Operation dann 45 und jetzt 54 kg sehr erfreulich. Er hat auch schon begonnen mit leichtem Training.


Die ganze Geschichte:




Vor Beginn des Krieges war Macarie ein jungverheirateter, lebenslustiger junger Mann, ein Musiker. Er studierte in Moskau und in Kiew an der staatlichen Musikakademie Kirchenmusik für Gesang und ließ sich dort zum Dirigenten ausbilden. Macarie leitete einen Kirchenchor in der orthodoxen Kirche der auch in der berühmten Sophienkathedrale in Kiew aufgetreten ist. Die Kathedrale ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und gilt als zentrales Symbol der ukrainischen Identität. Sie zählt zu den wichtigsten Bauwerken christlicher Kultur im Osten Europas. Eine wunderbare Aufgabe für einen jungen und talentierten Mann.

Der Krieg und eine Splittergranate haben diesem Leben ein Ende gesetzt. Macarie wurde zu Beginn des Krieges durch einen Granatenbeschuss schwerst verletzt. Sie traf ihn im Bauchbereich. Er konnte nur notdürftig versorgt werden. Sobald er transportfähig war, brachten ihn Helfer mit einem Privatauto nach Sighișoara (Schäßburg) in die rumänische Provinz Siebenbürgen. Eine 16-stündige Tortur für den schwerst verletzten jungen Kantor. Ein Rettungswagen stand für seinen Transport nicht zur Verfügung, dieser war defekt. Erst in Rumänien konnten seinen Wunden eingehender behandelt werden. Sein Bauchbereich wurde gereinigt, die Verletzungen vernäht. Aufgrund der Schwere der Verwundung musste Macarie acht Wochen lang künstlich ernährt werden.


Erst nach zwei Monaten war es ihm möglich wieder normal Nahrung aufzunehmen. Über österreichische Hilfslieferungen erhielt er Spezialnahrung, über die es gelungen ist, eine Gewichtszunahme des jungen Mannes zu erreichen - von 35 auf 43 Kilo. Im Lukasspital, dem Partnerkrankenhaus des Schladminger Diakonissenspitals, soll in den nächsten Wochen an seiner Mobilisierung und dem dazu notwendigen Muskelaufbau gearbeitet werden.


Macaries Frau ist die Tochter eines rumänischen evangelischen Pfarrers. Aufgrund ihrer Kontakte wusste sie um den Einsatz des Lukasspitals für Schutzsuchende aus der Ukraine. Ihre Verbindungen haben dazu geführt, dass ihr Mann sich jetzt in der Obhut des Spitals befindet und wir von seinem Schicksal wissen.





Das Lukasspital nimmt insbesondere kranke, verletzte, gebrechliche und behinderte geflüchtete Menschen aus der Ukraine auf und betreut sie. Es sind unter anderem die gesammelten Hilfslieferungen der Schladminger, organisiert durch das Diakonissenkrankenhaus in Schladming, die ein Stück dazu beitragen, die schlimmste Not etwas erträglicher zu machen.


Macaries körperliche Verwundungen werden schneller verheilen als die Apathie, die das Trauma der Verletzung ausgelöst hat. Dafür es wird noch eine lange Zeit benötigen. Eine bedrückende Perspektive, die durch einen Hoffnungsschimmer und vielleicht mit der Zeit abgemildert wird. Macaries Schicksal steht für die Kriegswunden einer ganzen Generation. Dieses Trauma des Krieges mit ihren ungezählten Einzelschicksalen findet in nur 1000 Kilometer Luftlinie von uns statt.


Portrait Hannes Stickler/Text Andrea Sieder


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