• Hannes Stickler

derEnnstaler - Wort zum Sonntag (2. Fastensonntag 2021)



(Foto: Vater und Sohn - Kindeswohl ganz praktisch - leider keine Selbstverständlichkeit)



Offene Ohren für Kindeswohl und Gott!


Liebe Leserinnen und Leser! Alle drei Jahre werden wir am zweiten Fastensonntag mit einer herausfordernden Bibelstelle konfrontiert. Im 1. Buch Mose oder wie wir Katholiken sagen, “Lesung aus dem Buch Genesis“, hören wir eine Erzählung über eine Brandopfergabe des Propheten Abraham. Das Verbrennen von Opfertieren gehörte in jener Zeit zur guten Sitte, würde uns heute auch seltsam vorkommen, aber irgendwie könnten wir es als geschichtliche Entwicklung im religiösen Vollzug einordnen. Bliebe da nicht der Traum Abrahams, in dem er die Weisung Gottes erhält, sein eigenes Kind zu opfern.


Vereinfacht gesprochen, gibt es dazu zwei Auslegungen. Die eine weist auf den Gehorsam hin, den der gläubige Jude seinem Gott leistet und sieht darin die eigentliche Botschaft dieses Textes. Eine andere Gruppe von Theologen findet den zweiten Teil der Erzählung, dass Gott seinen Plan ändert, interessanter. Der Schöpfer unserer Erde überdenkt seine Strategie und entscheidet sich zum Wohle des Kindes und letztlich auch zum Wohle seines Volkes.


Wie aktuell ist diese Bibelstelle? Zugegeben es wird heute hoffentlich niemand behaupten, dass er sein Kind im Auftrag Gottes töten muss. Kindeswohlgefährdung ist jedoch hoch aktuell. Ob wir unsere Töchter und Söhne am Altar der Gesetzmäßigkeit, der Leistungsfähigkeit, des Wohlstandes, der Ausländerfeindlichkeit oder auch der Pandemie opfern, sind die heutigen Fragen.


Wir kennen die Bilder der nach Georgien und Armenien abgeschobenen Kinder Tina, Ashot und Sona. Wir lesen über besorgniserregende Entwicklungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Wir erleben mit, dass Projekte der diakonischen Hilfe für traumatisierte Flüchtlingskinder aufgrund politischer Intervention abgestellt werden. Wir hören von tausenden Kindern in Griechenland, Jordanien und im Jemen, denen jede Art von Wohlfahrt verwehrt wird. Sehen wir darin Kindesgefährdung, oder doch eher die eigene Gefährdung? Wir sehen dass Gesundheit vor Bildung gestellt werden.


Wühlen uns die Berichte auf? Führen sie zu fruchtbringenden Diskussionen in Familie und Betrieb? Beweisen wir Haltung und Nächstenliebe um dem bösen Treiben Einhalt zu gebieten? Warum ändern unsere Verantwortlichen hier nicht ihre Träume, Visionen bzw. politischen Ziele zum Wohle unserer Kinder?


Unsere eigenen (Alp)träume, eingeprägten Haltungen und Handlungen sollten wir immer wieder kritisch prüfen. Wenn wir auch - vielleicht durch falsch verstandenen Gehorsam - einen Irrweg eingeschlagen haben. So sollten wir tief in unsere Herzen hineinhören. Wir werden – daran glaube ich fest – so wie Abraham die Stimme des Engels des Herrn hören. „Dein Gott hat sich geschworen. Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand.“


Das Wort Gottes bleibt auch diesmal ein Stachel im Herzen. Wir sind aufgerufen unser Haltungen und Überzeugungen zu überprüfen und zum Wohle der Nachkommen zu ändern. Gott ändert seinen Plan, weil er erkennt, dass Kindeswohl an erster Stelle stehen muss. Das war, ist und bleibt eine große Herausforderung. Die grausame Geschichte endet in einer wunderbaren Verheißung. So wird es auch für sie und mich sein, wenn wir hinhören, meint Ihr Diakon Hannes.



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